Geschichte der Norddeutschen Eiswerke und der Kühlhäuser mit Eisfabrik in der Köpenicker Straße
Nachdem die TLG nach der Übernahme des Kühlbetriebes angeblich alle historischen Baupläne und das Firmenarchiv verloren hat, haben wir versucht die Bedeutung und die interesannte Geschichte der Norddeutschen Eiswerke darzustellen.
Die folgenden Daten sind aus vielen Quellen zusammengetragen.
Die kursiv dargestellten Daten betreffen die Anlage in der Köpenicker Straße 40/41
1868 Die Eiswerke von Carl Bolle in Rummelsburg wachsen schnell auf 18 Eisschuppen an, von denen jeder etwa 30.000 Zentner Natureis fassen kann. Im Winter wird es aus der Eisfläche des Rummelsburger Sees gebrochen und eingelagert.
1869 Die »Spenersche Zeitung« berichtet über die Natureisgewinnung auf dem Rummelsburger See: "Das Eis wird dort vermittelst Dampfmaschinen in reguläre Quadern zerschnitten und durch den Pächter, Maurermeister Bolle, in Eisschuppen fest zusammengepackt."
1871 ist der Verkauf der Rummelsburger Eiswerke belegt (Natureis)
30.05.1872 Bolle lässt ein Natur-Eiswerk auf dem Kietzer Feld am Dahme Ufer in Köpenick errichten (Drei Millionen Kubikmeter !!) und erwirbt Grundstücke für Spargel und Obstanbau
02.09.1872 Gründung der Norddeutschen Eiswerke AG durch Carl Bolle, sämtliche Bolle-Eiswerke fliessen in die AG
Gründung mit einem Grundkapital von M 2.400.000,00. Die Gesellschaft errichtet nach amerikanischem Muster zunächst in Köpenick, Rummelsburg und Plötzensee große Holzschuppen zur Aufbewahrung von Natureis, welches in den Seen und Flüssen gewonnen wird. Das Unternehmen entwickelt sich anfangs in sehr bescheidenen Grenzen.
1878 Da in den eisarmen Wintern die gewonnenen Eismassen zur Befriedigung des Bedarfs nicht ausreichen, legt man Ende der 70er Jahre kleine Kunsteisfabriken auf den betreffenden Grundstücken an. Die gesamte Entwicklung der Gesellschaft ist auch in den späteren Jahren recht ungünstig; es wird versucht, mit verschiedenen Nebenbetrieben die Rentabilität der Gesellschaft zu steigern.
18. September 1886 Das »Teltower Kreisblatt« veröffentlicht einen Bericht über die Natureisgewinnung im Norddeutschen Eiswerk in Rummelsburg, wo täglich etwa 150 Transportwagen mit 6 000 Zentnern Eis für die Versorgung Berlins beladen werden.
1886 wird berichtet, daß die drei Eiswerke "Neues Eiswerk"; "Hannoversches Eishaus und die Norddeutschen Eiswerke jährlich 100.000 Centner Eis in Hannover auslieferten, 10 Jahre zuvor wurde nur ein Drittel dieser Menge konsumiert
1887 Im Adressbuch finden sich die Norddeutschen Eiswerke auch unter den Herstellern von Eisschränken. Als Firmanadresse wird die Seydelstr. 32 angegeben
1889 Rudolf Diesel zieht im Auftrag der Kälte und- Eismaschinen Linde AG nach Berlin
1890 Rudolf Diesel wird in den Vorstand der neu gegründeten Aktiengesellschaft für Markt und Kühlhallen gewählt.
1893 erwirbt Carl Bolle das Spreegrundstück Köpenicker Str. 40/41 am alten Berliner Holzmarkt
1893 Die Linde AG unterstützt die Neuentwicklung der Motoren von Diesel nicht, worauf er die Firma verlässt.
1893 Der Winter zu 1894 ist ein milder. Die Natureisgewinnung erzielt keine Erträge. Das kurbelt den Verkauf von künstlichen Eiserzeugungsanlagen in Deutschlnd an.
1892-95 "Die Pacht für den Reinickendorfer See (Schäfersee) wurde seit 1.April 1892 von 4600 auf 5000 M jährlich erhöht; für die seit Jahren den Norddeutschen Eiswerken A.=G. überlassene Rohr= und Eisnutzung, sowie für die kleine und große Fischerei auf dem Rummelsburger See ist der bisherige Pachtbetrag von 8220 M unverändert geblieben. ..." (Der Schäfersee war an die Eisfabrik Mudrack verpachtet.)
1895 Die Norrdeutschen Eiswerke bieten per Anzeige im Teltower Kreisblatt 120 Arbeits - und Droschkenpferde in Rummelsburg zum Verkauf an.
1896 Errichtung des ersten Hochkühlhauses in Berlin mit kleiner Eisfabrik; Wohn - und Kontorhaus auf dem Gelände der Köpenicker Strasse 40/41 (siehe Bericht von 1902)
Der Bau wird nach Entwürfen von Albert Biebendt (geb. 28.05.1873 Berlin; gest. 06.07.1939 Berlin) errichtet, der in der Manteuffelstraße 78 ein Baugeschäft hatte.
Man errichtet auf dem im Besitz der Gesellschaft befindlichen Grundstück Köpenicker Straße 40/41 das erste Kühlhaus zwecks Konservierung von Lebensmitteln durch Kälte.(Handbuch der Aktiengesellschaften)
1905 Die Zeichnungen für eine Maschine zur Eisherstellung für die Koepenicker Str. sind fertig. Maschinenfabrik Wegelin und Hübner; Halle
1905 Als Firmensitz der Norddeutschen Eiswerke AG wird die Schützenstr. 68 angegeben.
1905 Die Absorptionsmaschine, die die Kühlhäuser kühlt wird vom Ingenieur R.Stetefeld getestet.
Der Bericht über den Test erschien in fast allen Fachzeitschriften und wird noch viele Jahre in Fachbüchren erwähnt.
1908 Verkauf des Heiligen See durch die Norddeutschen Eiswerke
1909-10 wird, durch Albert Biebendt geleitet, eine zwei Höfe umfassende Wohn-und Fabrikanlage mit Kunsteisproduktion in der Köpenicker Strasse errichtet.
01.01.1921 bis 31.07.1921 Verkauf der Grundstücke in Rummelsburg und Plötzensee
1924 Das Kühlhaus in der Köpenicker Straße wird modern eingerichtet.
1925 Erste Eröffnungsbilanz in Goldmark;
Nochmalige größte Erweiterung der Kühl- und Gefrierhäuser durch Neubauten.
In Deutschland verfügten die 37 Kühlhäuser über eine Lagerfläche von insgesamt 140 000m³, von denen 120 000m³ Gefrierfläche waren
1926 Der Luisenstädtische Kanal wird nicht mehr benötigt und zugeschüttet.
Ein indischer Garten mit Indischem Teich und Palmen, an den Tempel Taj Mahal angelehnt,
sollte am Engelbecken nach Wünschen des Stadtgartendirektor Erwin Barth entstehen und mit dem warmen Abwasser aus der Eisfabrik gespeist werden
1938 Ausbau weiterer Gebäudeteile zu Kühl- und Gefrierhäusern.
1943 Karl Heinz Heuser ist "Betriebsführer" der Norddeutschen Eiswerke AG und sitzt im Aufsichtsrat der Dresdner Bank.
Dort vertreten sind auch die Aufsichtsräte von Krupp, Flick und IG Farben....
1945 Zerstörung eines Wohnhauses durch Bomben.
1945 Der Betrieb wird unter Zwangsverwaltung gestellt und bis 1948 treuhänderisch vom Verband der Berliner Konsumgenossenschaften verwaltet. Um 1949/50 war die Norddeutsche Eiswerke AG Pachtbetrieb des Konsum.
Januar 1992 Die Miete steigt für 50m² von 50 DM inklusive Betriebskosten per Gesetzesverordnung auf 328 DM plus Betriebskosten
Ab 01.Juni 1992 übernimmt die Berliner Kühlhaus GmbH die Verwaltung der Wohnhäuser
März 1995 Die Berliner Kühlhaus GmbH gibt den Betrieb an der Köpenicker Str. 40/41 auf. Die Treuhand TLG übernimmt komplett die Verwaltung des Objekts.
Pläne vom Bau der Eisfabrik und das Firmenarchiv gehen verloren...(?) .
16. Oktober 1995 Brand in der Eisfabrik bei Arbeiten zur Vorbereitung des Abrisses
Ein Seitenflügel des Wohnhauses wird unbewohnbar und steht seitdem leer, Dächer auf den Kühlhäusern bleiben Jahre offen
2005 Der Architekt Reimann plant im Rahmen des Mediaspree-Projekts trotz Denkmalschutz einen Neubau aus Glas, der von der Treuhand TLG präsentiert wird.
Von der Eisfabrik bleibt in den Planungen nur strassenseitig ein Wohnhaus.
Einen entsprechenden Bauantrag der TLG lehnt das Bezirksamt Mitte jedoch ab.
Die Weiterführung dieses Kapitels haben wir unter Aktuelles eingeordnet
???? Die Eisfabrik wird saniert.
Durch das Einsetzen von Fenstern und Glasdächern ist es gelungen, viel Licht in die ehemaligen Kühlräume zu bringen und die Architektur zu betonen.
Die Kühlhauser werden deshalb gerne gewerblich genutzt,
das Maschinenhaus mit der Maschine zur Eiserzeugung kann vom Spreeweg aus besichtigt werden.
Im Hof der Fabrik befindet sich das einzige Restaurant am gesamten Spreeufer und bietet für Uferspaziergänger auch Eis an,
Es ist gelungen, eine alte Fabrik zum Anziehungspunkt am Spreeufer in Berlin-Mitte zu machen,.... ist unsere Vorstellung.